[Rezension] Yukosan – Royal Flush

Royal Flush

Die rote Lilie ist eine erfolgreiche Zockerin und gewinnt so ziemlich jedes Pokerspiel. Sie trägt dabei stets eine Maske und wirkt äußerst geheimnisvoll. Wer sie ist, weiß zunächst keiner. Bei einem ihrer Spiele kommt ein junger Mann hinzu, welcher ebenfalls eine Maske trägt und hier wendet sich das Blatt. Die rote Lilie verliert mehrere Spiele hinterher und fühlt sich nicht länger wohl. Der Fremde spricht sie immer wieder auf ihre Vergangenheit an und schließlich ist sie es die ihm hinterherrennt, um mehr zu erfahren.

(Inhaltsgabe entspricht dem Buchrücken. Rechte für den Text liegen bei der Autorin / Zeichnerin.)

Der Leser wird mitten in ein solches Pokerturnier geworfen und bekommt eine geheimnisvolle Persönlichkeit serviert. Dabei ist von der jungen Frau recht wenig zu sehen in Bezug auf ihre Gesamterscheinung. Keine Frage, man sieht ihren gesamten Körper, aber aufgrund der Maske kann man ihr nicht in die Augen schauen. Ihr Gesicht wirkt wie versteinert und würde ich neben ihr sitzen wäre mir vermutlich sehr kalt. Als der junge Mann hinzukommt, vermischt sich diese Kälte mit Unsicherheit und ich erfahre, warum sie sich verhält, wie sie sich verhält.

Als Kind hatte die rote Lilie ein einschneidendes Erlebnis, welches sie sehr stark verändert hat. Durch dieses Erlebnis trennte sie sich früh von ihrem Elternhaus und wuchs wahrscheinlich in Einsamkeit auf. Sie scheint seit dem auch nie wieder jemanden wirklich vertraut zu haben. Mich würde an der Stelle allerdings schon interessieren, wie es ihren Eltern heute geht und ob diese das Erlebnis bereits verarbeitet haben. Wie würden sie wohl reagieren, wenn zumindest eine der beiden Töchter wieder vor ihnen auftauchen würde? Man weiß es nicht und kann darüber nur Mutmaßungen anstellen.

Wie bereits oben erwähnt, schafft es der Fremde ihre Maske zu knacken und zeigt ihr auf, dass sie sich seit damals selbst vergessen hat. Sie lässt es zu, dass dieses Erlebnis zu sehr ihr Leben bestimmt. Ich verrate an der Stelle bewusst nicht welches Erlebnis, da ich es als wichtig empfinde, ohne dieses Wissen einzusteigen. Ich befürchte nämlich, hätte ich vorher gewusst, was sie erlebt hat, dass ich die Story gleich zu Beginn anders aufgefasst hätte. Wie dem auch sei, der roten Lilie wird klar, dass ihr Schmerz zwar vermutlich nie verheilen wird, aber das Leben dennoch weiter geht. Sie muss wieder nach vorne sehen, gerade um des Erlebnisses willen. Heißt ja schließlich nicht, dass sie deswegen gezwungen wird es zu vergessen.

Ehrlich gesagt könnte ich an der Stelle noch stundenlang darüber nachdenken und versuchen ihren Charakter zu ergründen. Klar, man erfährt, wieso ihre gegenwärtige Person so ist, wie sie ist, aber dennoch gibt es jede Menge Spielraum. Gerade Charaktere mit einschneidenden Erlebnissen sind oftmals sehr vielschichtig. Ein Teil dieser Vielschichtigkeit sorgt für eine leichte Identifizierung mit dem Charakter selbst. Man beginnt zu überlegen, wie man sich selbst verhalten hätte, wie man es selbst verarbeitet hätte – schlichtweg wie es selbst einen verändern könnte.

Ehe ich mich jedoch zu sehr in solchen Überlegungen verliere, möchte ich noch etwas zu der Aufmachung des Dojinshis selbst sagen. Das Cover ist komplett farbig und trägt lediglich den Dojinshititel, scheinbar zumindest. Der Name der Zeichnerin und der Vermerk für Selbstverlegung sind ebenfalls enthalten, aber gehen unter. Ich habe sie nur per Zufall entdeckt und zunächst gedacht es gäbe beides nicht. In Zukunft wäre es schöner darauf zu achten, dass solche Angaben deutlicher werden, ohne quer über die ganze Seite zu reichen. Die Rückseite ist ebenfalls verziert und enthält eine knappe Inhaltsangabe. Die Buchstaben dieser Inhaltsangabe sind alle großgeschrieben und mit einer weißen Kontur versehen. Ich persönlich finde das zwar hier passend, aber würde es gerade bei längeren Inhaltsangaben nicht haben wollen. Es wäre für die Augen dann viel zu anstrengend sich auf 2 „Farben“ konzentrieren zu müssen und keine Pause haben zu können. Ich zumindest kann bei Groß- und Kleinschreibung eher absetzen und finde mich auch wieder. Zudem wirkt durchgehend immer ein wenig so, als würde ich angeschrien werden. Ich glaube nicht, dass das immer beabsichtigt ist.

Der Dojinshi selbst ist in Schwarz / Weiß gehalten und verzichtet gänzlich auf Licht und Schatten. Beides ist einfach nicht vorhanden. Obgleich ich das sonst immer bemängel, stört es mich im vorliegenden Fall gar nicht. Für mich unterstützt es die Story sogar und bringt die teilweise eingesetzte Rasterung bestens zur Geltung. Zudem fällt mir auf, dass sich ihre Art Augen zu zeichnen in „Royal Flush“ im Vergleich zu anderen Werken unterscheidet. Ich sehe diesen Stil als ungezwungener an. Später scheint die Künstlerin, was das angeht, ihren Stil gefunden zu haben. (Beispielsweise in „Bärenkind“ oder „Sonnwende“)

Die Panel wurden gut angeordnet und ich kann der Leserichtung problemlos folgen. Man fängt hier übrigens von hinten an zu lesen, da der Dojinshi in japanischer Leserichtung angelegt wurde. Zwischen den Paneln findet der Leser außerdem großflächigere Bilder und teilweise sogar ganze Seiten mit nur einem Panel. Ich persönlich liebe es, wenn Zeichner damit spielen und ihr Spiel auch noch verstehen. Eine Seite muss schließlich nicht immer überfüllt sein.

Im Dojinshi ist eine Zusatzstory namens „Loves Gone“ enthalten, welche mit der Hauptgeschichte nichts zu tun hat. Eines fällt allerdings sofort auf, die ersten 3 Seiten der Story unterscheiden sich vom Betrachtungserlebnis her massiv vom Rest. Ich habe den Eindruck, dass die Druckqualität hier deutlich schlechter ist. Die Zeichnungen an sich zwar dennoch allerliebst, aber der Anblick selbst ist kein schöner. Ich weiß nicht, woran er liegt, aber gebe an der Stelle dennoch den Tipp, dass es besser wäre, die Qualität durchgehend gleich zu halten. Es ist echt schade, wenn eine Story darunter leiden muss. Abgesehen davon ist die Kurzgeschichte zuckersüß gestaltet und lässt mich lächeln. Das Gefühl von geplatzten Dates, der Liebe selbst und die Schwierigkeiten, die man mit sich selbst hat, kennt wohl so ziemlich jeder.

Neben dieser Kurzgeschichte bietet „Royal Flush“ außerdem mehrere Minicomics, die dem Leser einen Einblick in das Leben der Zeichnerin gewähren. Sie erzählt dort beispielsweise von Umzügen oder davon wie schwer es ist im Sommer zu arbeiten. Letzteres verstehe ich völlig, denn da ist im wahrsten Sinne des Wortes jeder Strich zu viel. (Oder aber in meinem Fall jedes Stückchen Stoff XD.) Die Comics sind einfach gestrickt und verzichten auf unnötiges Zeugs.

Fazit

Insgesamt kann ich „Royal Flush“ empfehlen. Zwar sollten Punkte wie die Gestaltung der Schrift der Inhaltsangabe oder durchgehende Druckqualität überdacht werden, aber insgesamt dennoch ein sehr rundes Werk. Speziell die Hauptstory mag ich sehr, denn ich liebe es, wenn ich hinterher darüber nachdenken kann. Die Extras sind ebenfalls süß und dürfen sich gern in ähnlicher Variante wiederholen.

[Auftrag] Lixia – Hybrid der besonderen Art

Oh ja, dieses Projekt hat mich Nerven gekostet, sogar viele Nerven. Jedoch, wie ihr bereits bemerkt habt, liebe ich Herausforderungen und verbeiße mich stellenweise regelrecht in sie. Im Fall Lixia bedeutete das für mich teilweises Neunähen, grübeln darüber was besser geht und am Ende doch einfach darauf losnähen. Informiert euch unbedingt vor einem Projekt ausreichend darüber. Nicht immer sind Änderungen mitten im Prozess noch möglich.

[Rezension] Eisblume – Legenden

Legenden

Enrise lebt in einer Welt, die von magischen Wesen herrscht, wird und trainiert von Kindesbeinen an. Jahre später steht der Kampf um die Thronfolge unmittelbar bevor. Enrise geht mit seinen Freunden Remo und Sarah auf Reisen, um die Zutaten für seine neue Waffe zu sammeln. Die kleine Truppe erlebt auf ihrer Reise einige Abenteuer und es kommt schließlich zum alles entscheidenden Kampf zwischen den beiden Prinzen.

(Inhaltsgabe entspricht dem Buchrücken. Rechte für den Text liegen bei Eisblume.)

Enrise ist der jüngere der beiden Prinzen und zugleich scheinbar der Unsichere von beiden. Er ist charakterlich schwer einzuschätzen, da er als Person nicht wirklich näher beleuchtet wird. Ebenso sind seine Handlungen während der Suche als gering einzustufen. Als Betrachter sehe ich nur seine Freunde in Bewegung. Spontan würde ich behaupten, dass Enrise generell gern Arbeiten abgibt. Zusätzlich kommt es mir so vor, als würde sich Enrise vor seinem älteren Bruder fürchten. Im Vergleich zu diesem ist er sich nicht sicher, wie stark er selbst ist und was er kann. Viel lieber verbringt er Zeit mit seinen Freunden.

Akaya entspricht dem, was man von einem großen Bruder erwartet. Er ist sehr selbstsicher und weiß was er will und noch besser was er kann. Akaya kennt einfach seine Kräfte. Der junge Mann handelt besonnen und unterschätzt seine Gegner nicht.
Reno und Sarah, die Freunde des jüngeren Prinzen, lieben Impulsität und handeln danach. Er handelt ohne nachzudenken und sie heißt mit zweiten Vornamen wohl Gefahr. Ungeachtet dieser Tatsache halten beide zum Prinzen.

Als Leser werde ich mitten in die Story geworfen. Die Vorgeschichte wird zwar erwähnt, aber nur sehr kurz und knapp. Im Laufe der Story wird darauf auch nicht weiter eingegangen und ich muss als Leser mit dem bisschen leben, was mir gegeben wird. Die Namen der einzelnen Personen gehen zudem ebenfalls unter. Den des älteren Prinzen habe ich beispielsweise am Anfang gänzlich überlesen, und wie der Vater der beiden heißt, ist mir bis heute nicht klar. Die Geschichte selbst haut mich generell nicht vom Hocker. Die Abenteuer der Reise sind zu kurz. Da hätte man mehr Spannung aufbauen können, ausführlicher werden können. Der Endkampf fällt dem leider ebenfalls zum Opfer. Kaum beginnt der Kampf, ist er auch schon wieder vorbei. Die Story endet damit abrupt. Einer der Prinzen wird besiegt und nun? Keine Lust mehr weiter zu machen? Kurz um: Die Geschichte ist für mich ein sehr knapp bemessener Ausschnitt aus einem großen Werk.

Die Panelführung ist insgesamt sehr gleichwertig. Ich konnte keine Ausbrüche durch die Figuren oder innerhalb eines einzelnen Handlungspunktes entdecken. Die Zeichnerin nutzt jedoch je nach Seite unterschiedliche Formen und Mengen. Kleiner Tipp für nächstes Mal: ganzseitige Panel als Stilmittel.
Soundwörter unterstützen die Handlungen und dienen als weiteres Stilmittel. Die Unterschiede zwischen den Gedanken- und den Sprechblasen der Figuren sind klar erkennbar. Der Leser wird dadurch nicht verwirrt.
Vereinzelt nutzt die Zeichnerin sogar reine Gesichterpanels, was an den betreffenden Stellen ausreicht.

Die Story wurde im Modus Schwarz / Weiß umgesetzt. Rasterfolie und unterschiedlichen Graustufen schaffen eine plastische Atmosphäre. Schatten werden dabei ebenfalls nicht vergessen. Außerdem beachtet die Zeichnerin auch Falten innerhalb der Kleidung. Sie passen zum Schwung der Sachen.

Die Graustufen sind mir vereinzelt jedoch zu gleichwertig. Ich würde mir fürs nächste Werk mehr Vielfalt wünschen, beispielsweise durch zusätzliche Gestaltungsmittel. Ein weiterer Tipp: Hintergrundpanel besser mit dem Inhalt abstimmen. Dies gilt besonders für Panels, in denen nur Gesichter gezeigt werden. Die Proportionen stimmen teilweise nicht gänzlich. Hier ein paar Beispiele: zu große Hände, zu kleine Köpfe oder Gesichter im Seitenprofil zu lang.

Die Nummerierung ist auf allen Seiten doppelt. Es reicht völlig die Seitenzahl nur einmal zu vermerken. Alles andere ist überflüssig.

Zusätzlich fehlt mir die Inhaltsangabe auf der Rückseite völlig. Sie gehört für mich unbedingt dazu, denn sie entscheidet, ob ich überhaupt im Manga blättere. Beim vorliegenden Werk habe ich durch deren Nummerierung keine Ahnung was mich erwartet und im Normalfall bei so was keine Lust mich damit näher zu beschäftigen. Eine Inhaltsangabe ist einfach eingängiges Gestaltungsmittel.

Die Angabe des Preises und einer ISBN, insofern diese vorhanden ist, sind ebenfalls von Interesse. Wird der Manga privat produziert, reicht mir persönlich eine Preisangabe. Der Preis ist, neben Inhalt und Zeichenstil, eine der wichtigen Entscheidungen für einen möglichen Kauf.

Die Zeichnerin stellt sich mittels verschiedener Infos zu Beginn des Mangas selbst vor. An sich keine schlechte Sache und interessant, aber für mich ungünstig platziert. Für mich ist so was am Ende des Werkes repräsentativer und sinniger. Oftmals wird so was als zusätzliches Extra genutzt. Die Inhaltsangabe oder eine Illustration erachte ich zu Beginn eines Mangas als sinnvoller. Natürlich sollte dabei korrekte Rechtschreibung durchgehend beachtet werden. Zu lange Links bitte kürzen. Dadurch spart Frau Platz und kann ihn für andere Sachen nutzen.

Cover und Buchrückseite kommen farbig daher. Ich finde das Motiv in Form eines Adlerkopfes mit Schwert im Schnabel richtig stark. Es zeugt für mich von Kraft und Sicherheit. Sein entschlossener Blick passt perfekt. Leider ist die Farbintensität an sich schwach. Den ersten Buchstaben des Titels habe ich beispielsweise lange Zeit gar nicht erkannt. Der Druck selbst offenbart sich als verpixelt und verrauscht. Auf Dauer kein schöner Anblick. Drucke ist daheim etwas im Entwurfsmodus aus, ist es nicht besser. Das Logo auf der Rückseite könnte etwas höher sein. Für mich klebt es zu sehr am Berg. Platz genug ist ja. Vom Design her mag ich die Rückseite.

Zum Ende möchte ich noch mal auf die Panelgestaltung eingehen oder besser gesagt auf einen Teil davon. Auf Seite 1 wird die Vorgeschichte ein wenig erläutert. An sich ok, aber bitte nicht mit der benutzten Schriftart. Sie ist aufgrund ihrer Größe nicht leicht zu entziffern. Durch die reine Großschreibung wird dem Leser keine Möglichkeit für eine Pause geboten. Je nach Charakter des Lesers kann das zu schnellem Abschalten führen. Kurz um: zu eintönig und gefühlt kein Abstand zwischen den Wörtern. Tipp: andere Schriftart und anderes Schriftformat.

Fazit

Insgesamt ist „Legenden“ ein sehr kurzweiliges Werk ohne große Höhepunkte. Die Story erscheint langweilig und ohne Schwung. Die Zeichnerin arbeitet mit verschiedenen Stillmitteln, um ihr Können zu zeigen. Grundlegende Infos wie eine Inhaltsangabe oder der Zeichnername gehören nach außen. Bei der Nummerierung bitte nur ein Format verwenden. Weniger ist in dem Falle mehr.

Ich betrachte „Legenden“ als Erstlingswerk mit Entwicklungspotenzial. Die Charaktere bieten Stoff für eine intensivere Ausarbeitung. Neues darf gern probiert werden. Hervorheben möchte ich an der Stelle eine coole Entdeckung auf Seite 6. Dort kleben Reno und Sarah an der Wand oder aber lösen sich von dieser. Unreal lässt grüßen. Ich nehme zumindest an das es so ist, denn im Normalfall bleibt der Hintergrund hinter den Figuren.

[Rezension] Tesla – Dreamcandy Band 1

Werbung / Rezensionsexemplar

Dreamcandy – Band 1

Elias, angehörig dem Stamme der Harpyien, ist noch ein junger Spund. Seine erste Nacht steht bevor. Erstmals darf er Dreamcandy sammeln, eine seltsame Substans, die das Überleben der Harpyien sichert und über die Träume schlafender Wesen gesammelt wird. Er stellt sich dabei jedoch ein wenig dümmlich an und sein erster Ausflug endet anders als gedacht.

Zur Story selbst kann ich aktuell noch nicht viel sagen, da es sich bei diesem Manga um einen von mehreren Bänden handelt. Die Geschichte der Figuren und ihrer Welt entwickelt sich erst noch. Ich habe meine Beschreibung aus diesem Grund ein wenig allgemein gehalten. Vielleicht kann ich zu einem späteren Zeitpunkt mehr sagen. (Ich hoffe es zumindest.) Abgesehen davon passiert im ersten Band nicht übermäßig viel. Es handelt sich hier um eine Kurzgeschichte von vielen Weiteren.

Hauptfiguren sind Elias, die Harpyie und eine Chimäre namens Cherom. Elias möchte bei seinem ersten Ausflug besagter Chimäre in die Träume schauen und ihm über diese seine Beute abluchsen. Elias wirkt sehr naiv, teilweise sogar ein wenig überheblich und vorlaut. Er lässt sich außerdem leicht provozieren und durchdenkt seine Handlungen dementsprechend nicht komplett. Er sieht das Ziel zwar vor seinen Augen, aber berücksichtigt nicht die äußeren Begebenheiten oder sinnvolle Hintertüren und Ersatzoptionen im Falle eines Misserfolges. Dadurch entgehen ihm im Rahmen seines Ausfluges für den Leser sichtbar kommende Gefahren.

Selbst als er die Gefahr bemerkt, wehrt er sich nicht dagegen und gibt sich dieser hin. Die Chimäre ernährt sich von Energie, welche auf verschiedenste Weise eingenommen werden. In dem Falle giert es ihm nach sexueller Energie, die er sich uneingeschränkt nimmt. Schade, dass Elias sich so benimmt, als wäre es normal. Er wehrt sich nicht gegen den Akt und verschwindet am nächsten Morgen, als sei nichts gewesen. Ich würde mir in dem Punkt für kommende Bände mehr Sensibilität wünschen. Mir ist bewusst, dass angesichts der Länge der Story dafür keine Zeit ist, aber dieses typische „Ich weiß zwar nicht was der andere mit mir macht, aber egal, lass uns vögeln.“ gibt es zu genüge. Gleiches gilt für „Oh, ein Eindringling, aber ein Hübscher. Legen wir es flach.“-Typen. Für die Zeichnerin und den Verlag wäre es meiner Meinung die Möglichkeit sich in dem Punkt abzuheben.

Der Manga ist in schwarz-weiß gehalten. Die Künstlerin arbeitet mit Schatten in Form verschiedener Grautöne bzw. schwarzer Flächen und Lichtpunkten. Rasterfolie kommt, sofern ich das richtig erkenne, ebenfalls zum Einsatz. Sämtliche der zuvor aufgezählten Elemente werden gut und im gesunden Maß eingesetzt. Ich fühle mich von keinem Teil erschlagen oder unterfordert. Ich hoffe sehr, dass sich das in den weiteren Werken fortsetzt. Ebenso darf sich der in meinen Augen eher wenig detailreiche, aber dafür flüssig wirkende Stil mit seinen Ecken und Kanten wiederholen.

Die Länge der Kurzgeschichte ist angesichts der Heftdicke völlig ok und sollte nicht großartig mehr werden. Durch das Format, irgendwas zwischen A6 und A5, lässt sich der Kurzmanga kurz transportieren und nimmt nicht viel Platz weg. Ich würde jedoch, da in dem Format und von dem Verlag weitere Werke kommen, eine entsprechende Hülle empfehlen. Auf Dauer würde der Manga ohne doch leiden.
Auf großartige Bewerbung weiterer Werke der Autorin bzw. des Verlages wird verzichtet. Positiv, da es dafür das Internet gibt und ich mich ungern erst durch überflüssige Seiten fühlen möchte.

Fazit

Eine Kurzgeschichte für zwischendurch, die einem durchaus für kurze Zeit die Welt vergessen lässt. Der Zeichenstil, die Nutzung von Licht sowie Schatten und die eher detailreduzierte Ausführung passen zur Künstlerin, bieten jedoch einiges an Entwicklungspotenzial nach oben. Ebenso sehe ich Potenzial bei dem Verhältnis zwischen „Sex? Noch nie gehabt, aber was soll’s, ich lass mich flachlegen“ und „Eindringling? Super, endlich wieder was zum Vögeln.“ Es wird hier für meinen Geschmack zu schnell und zu gegeben hingenommen. Ich kann in diesem Fall keine hundertprozentige Kaufempfehlung aussprechen.

Leben im Zeichen der Depression

Eine junge Frau, mitten im Leben, mitten in der Ausbildung, von Freunden umgeben – plötzlich ist nichts mehr wie es war. Ein eigentlich ganz normaler Freitag wird zum alles entscheidenden Wendepunkt und Tränen zur Hauptnahrung.

So stand ich vor 10 Jahren da. Vor 10 Jahren änderte sich alles und die Wand bricht endgültig zusammen. Inzwischen sind 10 Jahre vergangen, ich sitze an meinem Schreibtisch und überlege wie ich euch mitteilen kann was ich sagen will. Es fällt mir nicht leicht, da es eine für mich sehr persönliche Zeitspanne betrifft.

Depression – die „Volkskrankheit“ schlechthin. Sie stand über allem und ließ mich zu einem seelischen Frack werden.

Ein kontrolliertes Alltagsleben / Leben allgemein?
Spaß an der Freude?
Eine flüssig laufende Ausbildung?

Nichts mehr davon konnte ich mein eigen nennen. Nichts funktionierte mehr so wie es soll.

Es kam Freitag, jener Freitag, der so viel änderte.
Es kam der große Knall, der alles explodieren ließ.
Der Besuch beim normalen Hausarzt mit Überweisung zur Psychiatrie.
Der Besuch der Psychiatrie mit Einweisungsbestätigung für die nächste Woche.
Der Montag mit Einzug in die Psychiatrie.

Aus heutiger Sicht das Beste, was mir zu diesem Zeitpunkt passieren konnte, damals das Schreckgespenst schlechthin. Ich in einer Psychiatrie? Jener Ort, von dem man bisher nur gehört hatte. Wo man glaubte, nur Verrückte kämen dahin. Jene Einrichtung, von der ich glaubte, nie dort zu landen. Gab es doch keinen Grund auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden.

Doch, nun war ich dort. Zusammen mit anderen kranken Seelen, die alle ihre eigenen Probleme hatten. Eingedeckt mit einem Therapieplan, diversen Gesprächen und Medikamenten. Medikamente, die ich zuvor nicht nehmen musste. Medikamente, die mir helfen sollten nachts schlafen zu können, um tagsüber fit zu sein. Medikamente, die meine Albträume bekämpfen sollten.

Schneller als gedacht, gewöhnte ich mich an mein Leben in der Psychiatrie und die Tatsache dort wieder weg zu müssen machte mir Angst. Hier war ich geschützt. Hier hatte ich Menschen, die mich verstanden. Hier wusste man was mir fehlte und keiner betrachte mich mit dem gewissen Blick. Dem Blick, dass Depression doch harmlos sei. Wie so ziemlich alles was man einem Menschen nicht direkt ansieht.

Nein, ist sie nicht. Depression ist nicht harmlos. Depression ist eine ernst zu nehmende Krankheit und nicht zu unterschätzen. Sicher, man sieht sie den Erkrankten nicht immer an, aber sie ist da. Oftmals schleichend und hinterrücks. Irgendwann ist er dann da, der große Hammer, der dich erkennen lässt, dass etwas falsch läuft. Der Moment, in dem du dich der Welt offenbarst und diesen Blick bekommst.

Ich hatte ein zu Hause gefunden und musste doch lernen mich nicht zu sehr in dieses zu flüchten. Ich musste lernen meine Probleme zu erkennen. Ich musste lernen was mich beschäftigte und wieso die Dinge so liefen wie sie liefen. Ich musste mich dem stellen, egal wie wenig ich es wollte und wie sehr es mir wehtat. Ich bekam eine leise Ahnung davon wie früh sich Depressionen und selbstverletzendes Verhalten in mein Leben schlichen ohne zu merken, dass es genau das war.

Im Rahmen dieses Prozesses stand nicht nur die Diagnose Depression, sondern auch eine instabile Persönlichkeitsstörung. Letztere verstehe ich persönlich bis heute nicht. Weil ich mich nicht so fühlte? Weil ich mit Typus Borderline nichts anfangen konnte? Weil ich es nicht wahrhaben wollte? Vermutlich eine Mischung aus allem.

Irgendwann jedoch kam der Tag der Entlassung und ich wurde in den Alltag geworfen, jedoch nicht in seine klassische Variante. Fast schon nahtlos ging es zur Intensivtherapie in die Tagesklinik. Ganze 3 Monate jeden Tag verschiedene Therapien, Ausflüge, Aufgaben im Team und tief gehende Beschäftigung mit der eigenen Person. Therapie in der Gruppe oder Einzeln, diverse Spielchen und so vieles mehr. Immer mit einer hinterfragenden Stimme, Analyse und Reflexion. Als wäre all das nicht genug, zog meine WG in der Zeit um. Ich wurde mitten in meiner Findungsphase und halber Entwurzelung, endgültig entwurzelt.

Neue Wohnung, neue Umgebung – aber zumindest ein eigenes Zimmer. Eine kleine private Ecke nur für mich. Es war nicht einfach, aber aus heutiger Sicht die beste Entscheidung. Alte Wohnung – altes Leben. Ein Leben, das ich nicht mehr wollte. Leute, die ich nach Möglichkeit nicht mehr sehen wollte.

Die Tagesklinik ermöglichte es mir zu erkennen, wie sehr sich die Vergangenheit in meinen Kopf gefressen hatte und wie sehr sie mich hemmte. Wie sehr sie mich daran hinderte zu verarbeiten. Ich lernte Entspannungstherapien kennen. Erfuhr,  wie ich das Erlebte reflektieren kann, um daraus zu lernen. Ich lernte erste Anzeichen eines Schubes zu erkennen. Ich lernte, was ich dagegen tun kann und was ich tun kann, wenn ich nicht frühzeitig die Bremse zog. Ich lernte, was es heißt Menschen hinter sich zu lassen, ohne sie für immer aus dem Leben zu streichen. Ich lernte,  was für Lehren ich aus der Lebensgeschichte von Mitpatienten für mich ziehen kann.

Doch auch meine Zeit dort ging vorbei und wieder einmal mehr wurde ich in den scheinbar normalen Alltag geworfen. Scheinbar normal? Ja, scheinbar, denn ein Problem hatte sich nicht erledigt: die Ausbildung. Ich war offiziell noch immer in dem Betrieb angestellt. Gedanklich sorgte die Mobberin noch immer für Heulkrämpfe. Noch immer stand ich vor einem Monster. Daran sollte sich erst mal nichts ändern, da sich die Fronten verhärten.

Derweil ging es für mich auf die Suche nach einem passenden Psychiater und einem entsprechenden Psychologen. Jeder, der schon einmal einen Facharzt brauchte, weiß was das bedeutet. Ich gebe offen zu, dass ich nicht bei meinem ersten Psychiater blieb. Gerade bei solchen Ärzten ist es wichtig auf sich selbst zu hören. Ihr spürt, dass ihr mit dem Arzt nicht klarkommt? Ihr fühlt euch nicht wohl? Dann wechselt! Je nachdem an welchem Punkt eures Weges ihr gerade seid, im schlimmsten Fall landet ihr wieder am Anfang.

Abgesehen davon kann nur der Psychiater Medikamente ausstellen. Für den seelischen Part ist der Psychologe zuständig und der gräbt noch mal so richtig schön tief. Er hinterfragt genau die noch offenen Probleme und fordert zum Nachdenken auf. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass deine Meinung sich nicht immer mit dem des Psychologen deckt. Das ist aber kein Grund zu verzweifeln, im Gegenteil. Stelle dich der Ablehnung. Hinterfrage warum es so ist und was du daraus lernen kannst. Erkläre dem Arzt wieso du es anders siehst und was es für dich bedeutet. Ein Psychologe kann dich zwar durchaus durchschauen, aber er ist nicht du.

Allerdings musste ich mich während der Psychotherapie erneut meinen Lebensumständen stellen. Da hatte ich nun ein eigenes Zimmer und doch fühlte es sich nicht richtig an. Die interne Situation kollidierte immer mehr mit der Therapie. Wie sollte ich mich auf sie konzentrieren können, wenn man zwischen zwei Stühlen hängt? Wenn die eigenen Mitbewohner ein Paar sind und du nicht mehr kannst? Es half nur eins: wieder umziehen. Gefühlt kaum, dass die Koffer ausgepackt waren, erneut packen.

Es ging für mich in meine eigene Wohnung, eine Wohnung, die nur mir gehören sollte. Nicht die erste eigene Wohnung, aber dennoch mein erster Ruheort nach all der Zeit. Die Therapie konnte wieder ihre volle Wirkung entfalten. Ich konnte mich um die Beendigung meiner Ausbildung mit allen Konsequenzen kümmern. Ich konnte mich fragen wie es weiter gehen sollte. Wie sollte mein Leben jetzt aussehen?

Für immer Medikamte? Für immer auf Therapie? Für immer gehemmt und trotz des langen Weges nicht ich?

Inzwischen haben wir das Jahr 2018 und 10 Jahre Therapie hinter uns. Was hat sich seit dem getan?

– Die Psychotherapie wurde erfolgreich abgeschlossen und musste nicht verlängert werden.
– Ich wurde im Laufe des Weges auf ein anderes Medikament umgestellt und konnte auch das mit Hilfe des Arztes komplett aus meinem Leben streichen.
– Die Ausbildung wurde gekündigt und das Erlebte verarbeitet.
– Ich habe zwei für mich prägende, zerbrochene Beziehungen verarbeitet.
– Meine Zeit beim Psychiater ist abgeschlossen.
– Ich habe gelernt, dass Depressionen zu mir gehören und weiß  wann sich ein Schub ankündigt / wie ich dem entgehen kann.
– Ich habe ein gesundes Verhältnis zu meiner Seele und meiner Vergangenheit entwickelt.
– Ich weiß welche Themen nicht meins sind und grundlegend auf taube Ohren stoßen.
– Ich habe gelernt Abstand zu halten und im Zweifelsfall die Keule zu schwingen.
– Ich habe mich mit meinen Eltern ausgesprochen. Beide akzeptieren meine Vorliebe für Frauen.
– Ich habe einen neuen Job gefunden und bin damit mehr als glücklich.
– Ich muss mich nicht mehr mit dem Jobcenter beschäftigen.
– Ich bin dabei mir meine eigene Firma aufzubauen und lerne dafür ständig etwas Neues.
– Ich bin viel auf verschiedenen Events unterwegs und verkaufe mein Produkte direkt.
– Ich gebe verschiedene Nähkurse.
– Ich habe tolle Kunden,  die mir ständig neue Ideen liefern.

Ich könnte die Liste endlos fortführen. Ebenso könnte ich meinen Weg bisher noch ausführlicher beschreiben, aber dann wäre es wirklich ein Roman. Nicht, dass Romane etwas Schlechtes wären, aber einfach nein. Vieles bleibt daher ungenannt bzw. gibt nur einen groben Zeitverlauf wieder, aber das ist ok so. Ich sehe keinen Anlass dafür wirklich alles zu erwähnen. Manches bleibt geheim oder aber kann im persönlichen Gespräch erfragt werden.

Wieso ich den Bericht überhaupt verfasst habe, wenn er doch nicht alles sagt?

Um euch zu zeigen, dass es jeder schaffen kann, egal wie weit der Weg ist. Es gibt keinen Grund sich für eine Depression und alles was dazugehört zu schämen. Es ist völlig in Ordnung in die Psychiatrie zu gehen und danach weitere Therapien zu nutzen. Es ist keine Schande Medikamente nehmen zu müssen. Es ist ok, wenn du dir für dich Zeit nimmst und deiner Krankheit den Raum einräumst, den sie in diesem Moment braucht.

Wichtig dabei: Sich daran zu erinnern, wo man zu Beginn des Weges stand, wo man jetzt steht und wo man nie wieder hin möchte. Halte dir immer wieder vor Augen welches ICH zwar ein Teil von dir ist, aber nicht dein Lebensinhalt.

Ich für meinen Teil möchte nicht mehr ins Jahr 2010 zurück.
Ich möchte nicht mehr an der Kante stehen, kurz davor zu springen.
Ich möchte nicht mehr fressen und mich verstecken.

Es war und ist für mich eine Warnung.

Hört auf so eine Warnung und nutzt sie als Neuanfang.

Stellt euch dem Teufel und werdet wieder ihr selbst.

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Credits Bild:
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