Kategorie-Archiv:Diskussionen

Diskussionen zu Themen die mich bewegen oder mir über den Weg laufen. Ich suche gezielt nach ihnen oder lasse die Themen einfach auf mich zu kommen. Gerne nehme ich auch Wünsche entgegen.

[Diskussion] Kimono als Nichtjapaner und Cosplayer – No Go zum Hanamifest?

Diskussionen über Themen wie unterschiedliche Rassen, deren Kleidung und ihre Bedeutung überlasse ich im Normalfall anderen. Nicht, weil es bequemer ist, nein, mir fehlt schlichtweg das dafür notwendige Wissen. Zudem sorgen diese Themen immer wieder für hitzige Diskussionen, teilweise mit unschönem Ausgang.


Foto: Pixabay

Was brachte mich dazu meine Meinung zu ändern?


Kurzum: das jährliche Hanamifest, auch bekannt als Kirschblütenfest. Ursprünglich aus Japan stammend, ehrt dieses Fest die Schönheit der viel zu kurzlebigen Kirschblüte. Familien, Freunde und Arbeitskollegen treffen sich zu einem Picknick. Sie entspannen sich und ziehen sich für einen Moment aus dem Alltag zurück. Doch nicht nur die zarte Kirschblüte wird gefeiert, ebenso der Übergang von Winter zu Frühling.

Genau dieser Zauber ist seit einigen Jahren in Deutschland heimisch, wird hier jedoch etwas anders ausgelebt. Selbstredend, der Grundgedanke bleibt, jedoch bedeutet Hanami in Deutschland nicht nur Blütengenuss. Japanische Speisen, Showacts (Kampfsport, Chor, traditionelle Tänze), diverse Stationen mit typisch japanischen Spielen, Workshops – die Besucher werden im kleinen Rahmen unterhalten. Wichtig dabei: die Verbindung zur Kultur Japans durch die einzelnen Elemente.

Viele Festbesucher nutzen die Gelegenheit, um sich in Kimonos oder generell traditioneller japanischer / chinesischer Kleidung zu zeigen. Nicht, weil im Kleiderschrank gähnende Leere herrscht, sondern um ihren Respekt auszudrücken und das Fest selbst zu würdigen. Dabei achten sie auf Farben, wie etwas gebunden werden muss und was man besser sein lassen sollte. Nicht selten wird Traditionskleidung vom Veranstalter ausdrücklich gewünscht und ist mit ermäßigtem Eintritt verbunden.

Allerdings löste genau dieser Wunsch (Kimono tragen, wenn einer vorhanden wäre) eine Diskussionsschlacht aus, die mit der Löschung des Kommentars endete. Schade, dass nicht jeder in der Lage ist auf Bitten des Veranstalters Rücksicht zu nehmen und es an mir als Poster liegt ein gutes Beispiel abzugeben.


Foto: Grün Berlin

Die Schlacht begann mit „Das ist gut so! Du bist weiß. Lass die Finger davon. Ihr müsst euch nicht alles aneignen.“


Ok, abgesehen von der Tatsache das auch Asiaten weiß sind bzw. es im asiatischen Raum wie überall diverse Hautfarben gibt, woher kommt der Gedanke? Nur weil jemand sich einem Fest entsprechend kleidet, eignet er sich etwas an? Per Definition würde es bedeuten, dass ich damit etwas stehle bzw. davon Besitz ergreife und für mich beanspruche.

Ich persönlich erkenne nichts davon in dem Wunsch einen Kimono tragen zu wollen. Ich sehe es als Zeichen des Respektes gegenüber traditioneller Kleidung an. Es ist meine Art zu zeigen, dass mich nicht nur ein Aspekt meines Lieblingslandes interessiert. Jedes Land, egal welches, besteht schließlich aus so viel mehr. Übrigens, in Japan ist es, man höre und staune, völlig normal Kimonos an Nichtjapaner zu verleihen. Dabei wird einem sogar beim Anziehen geholfen. Niemand fragt zudem Zeitpunkt nach der Hautfarbe oder anderen Dingen. Einzig der Respekt gegenüber der Tradition versteht sich an der Stelle von selbst. Laut eigener Recherche ist ein solcher Verleih auch in Deutschland möglich.

Die kommenden Worte der Gegenpartei erspare ich euch an der Stelle, da diese immer weiter unter die Gürtellinie gingen und vor Unverständnis triften. Nicht zu vergessen diverse Fachbegriffe und Fremdworte, die ich zu dem Zeitpunkt noch nie gehört hatte. Versteht mich nicht falsch, ich streite deren Existenz und Korrektheit nicht ab, doch täuschten sie nicht darüber hinweg, dass das eigentliche Thema für sie unwichtig war und eigentlich nur eines zählte: Du hast Hautfarbe X, du gehörst zur Gruppe X – Vorhaben Y ist rassistisch und nicht tolerierbar.


Foto: Pixabay

Doch wieso wird gleich alles als Angriff verstanden?


Ich verstehe durchaus überschäumende Reaktionen, wenn jemand bewusst verarscht wird. Oder wenn man in Gegenden mit Kleidung X rumgelaufen wird obwohl ausdrücklich davor gewarnt wird. Ebenso habe ich Verständnis, wenn jemand beispielsweise bewusst ignoriert welche Farben nicht gehen. Ich habe jedoch kein Verständnis, dass pauschal der Stinkefinger gezeigt wird ohne die Hintergründe zu erfragen. Im Normalfall steht hinter jedem Verhalten ein Grund. Ob der für einen selbst plausibel ist, steht auf einem anderen Blatt.

Bezogen auf Kimonos / Traditionskleidung zum Hanamifest in Deutschland, bedeutet es im vorliegenden Fall nicht, dass ich mir irgendwas aneignen möchte. Es bedeutet lediglich, dass ich mich unterordne und ins Thema des Festes einfüge. Ich zeige dem Veranstalter, dass ich seine Arbeit honoriere. Dabei ist mir bewusst, dass gerade im Bereich Kimonos vieles schief gehen kann. Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen, Farben haben ihre Bedeutung, Obis müssen auf eine bestimmte Weise gebunden werden und … und …Es versteht sich von selbst, dass besonders bedeutungsschwere Aspekte nicht angerührt werden. Dies gilt für jegliche Kleidungsstile.


Foto: Sai1 (Cosbase)
Cosplay: Olaf Gijinka (Jemo Kohiri / FB)

Ebenso kam im Zusammenhang mit dem Hanamifest die Frage auf inwiefern Cosplayer (Cosplay = Kostümspiel) Teil des Festes sein sollten.


Noch mal zum Verständnis: Das Hanamifest ehrt Dinge wie die Kultur Japans, japanische Speisen, Japans Mentalität und die Lebensweise. Es steht nicht für Massen an Cosplayern in unpassenden Kostümen oder gefühlt hundertemale Charakter X.


Ich stimme dem an sich zu, aber zeugt es von Respekt Japan auf eine Sache zu reduzieren?


In meinen Augen nicht, da Cosplay nur einen kleinen Teil für sich beansprucht. Japan besteht nicht nur aus Cosplay, hier in Deutschland noch weniger. Sicher, Cosplayer sind nicht mehr wegzudenken, aber bilden bei Hanamifesten eine Minderheit. Die Menge der regulären Besucher überwiegt. Meiner Erfahrung nach achten Cosplayer zu speziellen Anlässen besonders stark darauf WELCHE Cosplays sie tragen. Sie machen sich Gedanken darüber was sich verbinden lässt. Bezüglich gefühlt hundertemale Charakter X – Pech gehabt. Es wird immer wieder Serien / Charaktere geben, die verstärkt auftreten, weil der Hype um sie gerade übergroß ist.

Ich verstehe das Argument, dass nicht jeder Cosplayer mag und ein Problem damit hat, sie in Massen zu erblicken. Ich verstehe jedoch nicht, dass man ihnen deswegen das Recht aberkennen will solche Feste zu besuchen oder ihnen unterstellt andere würden keine Aufmerksamkeit bekommen. Oder das dadurch gar der eigentliche Sinn des Festes in den Hintergrund rückt. Klar, alles was anders ist, wird genauer betrachtet, allerdings funktioniert das mit sehr vielen Dingen. Es ist und bleibt ein legitimes Recht des Veranstalters mit einzelnen Besuchergruppen gesondert zu werben oder ihnen gesonderte Konditionen anzubieten. Es beweist, dass Cosplay (wahlweise andere Stile, Gruppen, etc.) ankommt und die Veranstalter genau das respektieren.

Apropo Respekt, damit wären wir beim Grundthema angelegt: Respekt gegenüber anderen Kulturen, Kleidungsstilen, etc. Es versteht sich von selbst, dass nicht alles überall ratsam ist, aber es spricht nichts dagegen sich auf ruhige Art und Weise dem Thema zu nähern. Es steht jedem zu sich zu informieren und unabhängig von der eigenen Hautfarbe in passender Kleidung ein Fest zu besuchen.

Abschließend möchte ich euch folgendes ans Herz: Es ist ok anderer Meinung zu sein, aber bitte hört auf in allem ein Rassenproblem zu sehen. Bleibt bei euren Diskussionen auf dem Teppich und lenkt nicht vom eigentlichen Thema ab.

[Diskussion] Reden will gelernt sein – Texten 2.0

Hach ja, eigentlich liebe ich Chats und schreibe gern mit anderen Menschen. Ich mag gute Gespräche und Diskussionen. Eines stößt jedoch regelmäßig bitter auf: Höflichkeit als verloren gegangene Eigenschaft, die eigentlich selbstverständlich sein sollte. Klar, in Zeiten des Internets verliert leider einiges an Wert, aber gerade Dinge wie Höflichkeit / andere mit Respekt behandeln sollte definitiv nicht dazu gehören.

Leider, und ja ich spreche bewusst wiederholt von leider, kommt es ständig zum erstaunlich raschen Rückfall in den Modus des bockenden Kindes. Ihr erinnert euch sicher an diverse Werbefilme ala Kind rastet im Supermarkt aus oder ähnliches. Anhand eines Beispiels möchte ich euch zeigen was das in Zeiten des Internets bedeutet. Der Inhalt des Dialogs steht dabei beispielshaft für ähnliche und weitere Situationen.

User A: „Hallo. Wie geht’s dir? Lust mich näher kennenzulernen?“
User B: „Hallo, mir geht’s gut. Nein, ich habe keine Lust dich kennenzulernen.“
User A: „Aber warum denn nicht?“
User B: „Ich habe kein Interesse.“
User A: „Du dummes Dre … *pieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep*“
User B: „Kein Grund ausfallend zu werden. Ich möchte einfach nicht.“
User A: *piep*

@Pixabay
Was lernen wir daraus?

Ein Mann stellt eine Frage, da er das Profil einer Frau interessant findet und hofft auf eine positive Antwort. Die junge Frau antwortet, aber erfüllt seine Hoffnungen nur teilweise. Er möchte wissen warum kein Interesse besteht. Die Antwort darauf bekommt er ebenfalls und dreht danach völlig durch. Er akzeptiert nicht, dass schlichtweg kein Interesse besteht. Die folgenden Worte gehen unter die Gürtellinie und die Angriffe werden immer heftiger. Dabei vergisst er völlig, dass eine Antwort nicht immer komplette Zustimmung bedeutet und Antworten auch ohne Interpretation möglich sind.

Was also veranlasst jemanden online die gute Erziehung über Bord zu werfen und wie ein Kleinkind zu reagieren?

Eines sollte uns immer bewusst sein: vor Computern sitzen Menschen. Lebendige Wesen mit Gefühlen und Emotionen, einer Geschichte und Charakter. Es handelt sich nicht um Maschinen. Ein Angriff (wie oben geschildert) kann jemanden, abhängig von der eigenen Empfindlichkeit, schwer treffen. Unter Umständen nimmt er sich mehr zu Herzen als nötig. Im Worst Gase führt es sogar zum allerletzten Schritt.

@Pixabay
Könntest du damit leben jemanden deswegen in den Selbstmord zu treiben?

Sicher, Antworten können enttäuschend sein, aber das gehört zum Leben dazu. Eine Ablehnung bedeutend keine Abwertung eurer Person. Es bedeutet lediglich, dass jemand nicht möchte. Gerade, um das Beispiel erneut aufzugreifen, bei Beziehungen hat jeder seine eigenen Vorstellungen in Punkto Aussehen, Ansprache und co. Wenn du dem nicht entsprichst, dann gibt es eine Ablehnung. Ja und? Kommt immer wieder vor. Die angeschriebene Person hasst euch deswegen nicht. Dementsprechend kein Grund sich zu benehmen wie die Axt im Walde.

Würdest du dich Person im richtigen Leben auch so verhalten?

Ich denke nicht bzw. hoffe es nicht. Letzteres würde mir dann doch sehr wundern. Warum also in der virtuellen Welt? Meine Vermutung: Offline fehlt ein entscheidender Vorteil, eigentlich sogar 2. Anonymität und Knöpfe. Online kann ich mich hinter einem Profil verstecken. Ich kann agieren ohne mich wirklich zu zeigen. Habe ich keinen Bock mehr, mache ich den Laptop einfach aus und fertig ist. Abgesehen von einer Profilsperre passiert mir ja sowieso nichts.

Doch, machst du dir Gedanken darüber wie genau solche Charakterzüge bei der anderen Person ankommen?

Für mich sind solche Menschen, entschuldigt den Wortlaut, arme Würstchen. Menschen die nicht in der Lage sind online und offline zu trennen. Personen, die nicht akzeptieren das jeder anders ist und allein deswegen Antworten nie immer zu 100 % so ausfällen wie man es gern hätte. Sie vergessen, dass Onlinegespräche nicht alles sind und offline ein solches Verhalten ganz schnell nach hinten losgehen kann.

Reden will gelernt sein, in Zeiten des Internets mehr denn je. Egal wie weit die Technik sich entwickelt, die Person davor ist und bleibt ein Mensch.

Mein persönliches Fazit:

Ich finde es erschreckend,
– dass die eigene Lunte so kurz ist und bereits bei Kleinigkeiten explodiert
– dass eine Antwort nicht einfach eine Antwort bleiben kann
– dass auf einmal schlagartig jeder Scheiße ist
– dass Erziehung an Wert verliert und Worte zu Schwertern werden
– dass Argumente wie „realer Mensch am PC“ nicht mehr zählen

[Diskussion] Adventskalender – so geht’s nicht

Hach ja, die Feiertage sind mittlerweile ebenfalls vorbei und jene 24 Türchen für 2018 Geschichte. Nun heißt es wieder knapp 1 Jahr warten sich erneut die Fensterchen öffnen. Ich selbst durfte verschiedene Kalender mein eigen nennen. Tee, Schoki und ein DIY-Buch. Letzteres werde ich erst 2019 voll auskosten können. Natürlich nutzte ich die Adventszeit für diverse Onlinevarianten und genau die inspirierten mich zu meinem aktuellen Blogbeitrag. Die Variantenvielfalt ist dort ähnlich und mir sind einige Sachen negativ aufgestoßen.

Farbige Hinterlegung des aktuellen Tages

Ernsthaft Leute, was soll das? Ich fühle mich da schon sehr bevormundet. Beim Kalender ist doch, abgesehen vom Inhalt, gerade die Suche nach dem jeweiligen Tag spannend. Ich möchte ihn selbst entdecken und nicht schon vorher mit einem blinkenden Pfeil darauf hingewiesen werden. Der hier gepostete Screenshot steht dabei nur selbstvertretend für diverse Varianten. Als User möchte ich persönlich nicht meiner Freude beraubt werden und das ist bei solchen Varianten der Fall. Ich glaube kaum, dass ein User zu blöd ist, um die richtige Tür zu finden.

Inhalt bereits sichtbar


Hier verhält es sich ähnlich wie den Türchen mit Farbhinterlegung, der Überraschungseffekt ist weg. Adventskalender – für mich immer noch Tage der Suche und des Entdeckens. Hier aber wird mir genau das genommen. Sicher, die entsprechende Tür will erst noch gefunden werden, aber der Inhalt ist bereits vorher bekannt. Ich möchte aber genau so etwas nicht. Ich möchte die Spannung spüren, mich fragen was wohl drin ist und mich freuen dürfen, weil es besonders toll. So aber „öffne“ ich die Tür im Bedarfsfall nicht mal mehr.

Ein weiterer Nachteil dieser Variante: die richtige Tür zu finden. Gerade bei Variante 2 ist die jeweilige Ziffer übersehbar. Ich bin des Öfteren am richtigen Tag vorbei gerannt. Wenn der Kalender schon unbedingt so umgesetzt werden muss, dann doch bitte wenigstens mit sichtbaren Ziffern. Andernfalls wird einem nicht nur die Freude der Erwartung geklaut, sondern ebenso die Freude der Suche aufgrund des Designs.

Genaue Sicht erst nach Eingabe der Daten



Diese Variante hatte ich Gott sei Dank nur bei einem einzigen Kalender. Jede weitere Variante wäre von mir wohl abgelehnt worden. Hier überlässt man dem User zwar die Suche und zeigt ihm im dem Sinne auch erst mit Öffnung der Tür was drin ist, aber nun, die Größe macht es eben manchmal doch. Ernsthaft, wer kommt darauf, dass so kleine Bildchen toll sind? Gerade bei Büchern entscheiden sich künftige Leser unter anderem aufgrund des Covers für oder gegen einen Kauf. Das Cover kann durchaus bereits von Anfang an Anfang für Ablehnung sorgen. Wieso also nicht gleich in Groß zeigen? Nein, lieber mini, zur raschen Entscheidung zwingen, Daten angeben und dann zeigen um was es überhaupt geht. Ich habe den Kalender genau deswegen aus meiner Routine entfernt und ignoriert. Sorry, aber meine Augen brauche ich noch.

Seite doppelt laden


Hier finde ich eigentlich lediglich die Mehrarbeit nervig. Für gewöhnlich können Kalender direkt auf der Startseite der jeweiligen Firma geöffnet werden. Es wirkt daher ein wenig altbacken, wenn ich als Besucher zunächst eine simple Grafik zu sehen bekomme und für die Öffnung des Türchens die Seite erneut aktivieren muss. Zudem stelle ich es mir aus der Sicht des Programmierers einfacher vor, wenn das Ausgangsbild direkt aktiviert kann und nicht erst noch eine weitere Seite dazwischen steht.

Hinweise über Hinweise


Tja, die DSGVO hat vieles verändert und bereitet sicherlich noch diverse schlaflose Nächte. Sie brachte diverse Neuerungen mit sich, beispielsweise die ständige Zustimmung des Users zu jedem Pups. Selbstredend blieben die Adventskalender davon nicht verschont. Seien es Cookies, Benachrichtigungen oder Newsletter. Natürlich keine Erfindung der DSGVO, gehäuft jedoch schon. Übrigens, liebe Seitenbetreiber, es ist gelinde gesagt dämlich nach Teilnahme am Kalender direkt das Abofensterchen aufploppen zu lassen. Reicht schon, dass ich teilweise erst über den Berg muss, um den See zu finden.

Kopplung am Beispiel Newsletter


Stichwort: Kopplungsverbot. Im Rahmen der DSGVO wurde vieles neu geregelt, besonders hinsichtlich Umgang mit personenbezogenen Daten. Ein Thema ist dabei das zuvor genannte Kopplungsverbot. Im vorliegenden Fall bedeutet es, dass die Teilnahme am Gewinnspiel nicht an die Abonnierung eines Newsletters geknüpft werden darf, noch weniger die Teilnahme des eigentlichen Gewinnspiels an ein weiteres Gewinnspiel.

Hier musste man beispielsweise teilweise (je nach Tag) den Newsletter abonnieren, um a) eine Chance auf die genannte Summe zu haben und b) das Los für das Türchen aktivieren zu können. Offene Kommunikation zu dieser Koppelung? Nein! Diese versteckte Falle machte sich wie folgt bemerkbar: ausfüllen, Haken oben setzen, Teilnahmebutton unten klicken, Weiterleitung zum Haken für den Newsletter, Bestätigung Teilnahme nur bebi dort ebenfalls gesetztem Haken.
Noch deutlicher kann ein Verstoß gegen die DSGVO nicht sein. Ich hoffe sehr, dass der Anbieter des Kalenders daraus lernt und sich andere kein Beispiel daran nehmen. Ich finde es für meinen Teil echt deletant dermaßen offen Gesetze zu ignorieren.

Ihr seht, es gibt wirklich einiges was selbst bei Kalendern falsch laufen kann, sei es aufgrund von Gesetzen oder persönlicher Vorlieben. Insgesamt gibt es unzählige Varianten, Formen und Optionen. Ich werde sicherlich auch 2019 wieder an Onlinekalendern teilnehmen, aber noch stärker darauf achten welche meine Aufmerksamkeit bekommen.

Meine heutigen Fragen, wie immer als Anregung zu verstehen und kein Zwang:

1. Onlinekalender – interessante Option oder eher überflüssig?
2. Welche Onlinekalender muss man eurer Meinung nach kennen?
3. Was geht eurer Meinung nach bei Kalendern gar nicht?
4. Nimmt ihr an allen Türchen teil oder nur an für euch interessanten Türen?

[Diskussion] Nicht was, sondern wer ist wichtig – Geschenke an Weihnachten

Inspiriert vom heutigen Spruch des Büchleins „Es geht nicht darum, was unterm Weihnachtsbaum liegt, sondern wer drum herum steht“ möchte ich heute mit euch genau darüber sprechen. Meiner Meinung nach steckt in diesem einfachen Spruch sehr viel Wahrheit.

Warum?

Nun, werfen wir einen Blick in den Werbebereich. Angebote hier, Rabatte dort, Extras nicht vergessen – gerade zum Weihnachtsfest hin überschlagen sich viele und es entsteht der Eindruck die Zeit mit den Lieben bleibt auf der Strecke. Gut, Verkäufer verdienen damit ihr Geld und müssen ebenso Rechnungen zahlen, aber bisweilen ist es doch etwas viel. Der eine oder andere ernste Spot bzw. die eine oder andere Aktion geht da schon mal unter.

Doch, wenn wir einen Blick in unser Innerstes werfen, was zählt wirklich?

Ich gebe es offen zu, in Gänze kann ich mich dem Kommerz nicht entziehen. Nicht unbedingt im Bereich Geschenke, aber bei Deko und co. Da bekomme zumindest ich regelmäßig Herzklopfen und würde gern alles kaufen. (Den fehlenden Platz an der Stelle gekonnt ignoriert XD.) Geht aber nicht, Gott sei Dank möchte ich meinen. Andernfalls könnte Kollege Überhang an die Tür klopfen, um mir zu zeigen, dass es definitiv zu viel ist.

Vielleicht erinnert mich Deko schlichtweg an die Zeit bei meinen Eltern. Für ein besseres Verständnis: Mein Vater verfällt jedes Jahr wieder in einen Dekorausch und lässt das ganze Haus erstrahlen. Ich erinnere mich gern an die gemeinsamen Dekorunden, die liebevollen Neckereien, die Musik und die leuchtenden Augen hinterher. Jede noch so kleine Ecke wird genutzt. Dabei verbringen wir zusammen Zeit und sind beieinander, nicht gegeneinander. Für den Moment rückt alles was belastet weg.

Ist es nicht genau das was in der Weihnachtszeit oben stehen sollte?

Sollten wir nicht alle während dieser besonderen Tage unser Leben einmal mehr entschleunigen?

Weihnachten gibt uns die Gelegenheit Zeit miteinander zu verbringen. Gut, sollte man das ganze Jahr über, keine Frage, aber Weihnachten schenkt uns eine Extraportion Zauber. Weihnachten reicht uns die Hand. Wir müssen sie nur ergreifen und unsere Chance nutzen.

Weihnachten mit der Familie bedeutet für mich beispielsweise:

– Plätzchen backen
– dekorieren
– den Baum aufstellen
– Filme gucken
– Kakao trinken
– Weihnachtsmärkte besuchen
– bei Weihnachtsliedern gemeinsam schweigen
– reden über dies und das
– Besuch der Christmesse

Es braucht nicht viel, um beisammen und auf eine besondere Weise „reich“ zu sein. Eltern, Freunde, der eigene Partner – sie sind das was zählt und Geschenke eher das Sahnehäubchen.

Meine heutigen Fragen, die ihr gern als Inspiration für eure Kommentare nutzen könnt:

Was zählt mehr – die Geschenke oder die Zeit mit den Lieben?
Eher Feier mit der Familie oder ein toller Abend mit Freunden?
Ab wann sind Geschenke übertrieben?
Was darf zu Weihnachten keinesfalls fehlen?

Quellen:
Bild 1-3 – Pixabay

Video – Lisa Erbe

[Diskussion] Zu Weihnachten führen alle Straßen nach Haus

Da ist sie wieder, jene Zeit die jedes Jahr die Herzen höher schlagen lässt. Jene Zeit, in der 24 Türchen für manche Welten bedeuten. Jene Zeit, in der morgens der Kalender erste Anlaufstelle ist. Willkommen in der Zeit des Adventskalenders. Ursprünglich wollte ich dieses Jahr einen ganz besonderen Kalender bieten, kann es jetzt jedoch gesundheitsbedingt nicht ganz so umsetzen wie ursprünglich geplant. Ich werde daher kurzfristig umplanen. Ich werde es nicht schaffen jeden Tag der Vorweihnachtszeit zu beleuchten. Stattdessen werde ich mir einzelne Tage des Buches vornehmen und euch mit interessanten Themen versorgen.

Dennoch möchte ich euch kurz zeigen von welchem Buch ich mich inspirieren lasse. Gewonnen im Rahmen eines Gewinnspiels der Mädels von Decorize, erwartet mich mit „24 kreative Adventsmomente – Mein Adventskalender“ mein allererster DIY-Kalender als Buch. Mehr Infos dazu hier

Die Türchen dieses Buch sind jedes für sich verschlossen und müssen am jeweiligen Tag vorsichtig geöffnet werden. Erst dann offenbart sich das Geheimnis des jeweiligen Tages.


An Tag 1 dreht sich im Buch alles um einen selbstgebastelten Adventskranz. Traditionell wird an jedem Adventssonntag eine weitere Kerze angezündet bis an Heilig Abend alle vier Kerzen brennen. Dabei ist es jedem selbst überlassen, ob wirklich 4 Kerzen benutzt werden oder aber 1 große Kerze. Der Grundgedanke bleibt bei beiden Varianten gleich. Eine andere Variante der vorweihnachtlichen Boten besteht aus dem Adventskalender. DER Klassiker schlechthin und für viele geht es nicht ohne. Entweder selbstgekauft und geschenkt – nichts davon ist weniger Wert. Besonders, wenn man Kalender und den Leitspruch des Tages „Zu Weihnachten führen alle Straßen nach Haus.“ verbindet. Für viele, ich wünschte für alle, führt Weihnachten tatsächlich nach Hause. Sei es zur eigenen Familie, zu Freunden, an einen Ort oder wohin auch immer. Weihnachten bedeutet für viele Heimkehren und ankommen.

Doch woher stammt der Brauch des Adventskalenders?

Laut meinen Nachforschungen reicht der Brauch des Adventskalenders bis ins 19. Jahrhundert zurück und diente anfangs lediglich als einfache Zählhilfe ohne den kommerziellen Druck der heutigen Zeit. Er bestand aus einfachen Bildern, Kreidestrichen, die weggewischt wurden oder Strohhalmen, die in die Grippe gelegt wurden. Eine weitere Variante: eine Kerze abbrennen oder aber generell in irgendeiner Form jeden Tag verkleinern. Über Wikipedia lässt sich zu diesem Thema ein sehr informativer Artikel finden. (verlinken) Im Laufe der Zeit änderte sich sein Inhalt. Mittlerweile gibt es Kalender mit Schokolade, Kosmetik, Spielzeug, Getränken, Nähartikeln und vielem mehr. Die Möglichkeiten sind gefühlt endlos. Schneller, höher, weiter – bisweilen darf an Sinn und Preis des jeweiligen Exemplares gezweifelt werden.

 

Welche Variante es auch immer wird, eines ist geblieben: die Vorbereitung auf Heilig Abend selbst. Nach wie vor sitzen Kinder mit leuchtenden Augen davor und selbst Erwachsene zählen die Tage bis es soweit ist. Ok, nach 24 Tagen ist Ende, aber es bleibt ja nicht bei einem Jahr. Nächstes Jahr gibt es wieder einen Kalender.
Übrigens, ebenfalls ein Überbleibsel aus den Anfängen: 24 Türchen. Für gewöhnlich geht ein Adventskalender nur 24 Tage. Ausnahmen sind bei Christen möglich, denn ihre Kalender umfassen den gesamten Advent. Und der kann, je nach Datum, bereits im November beginnen und erst zum Fest der Heiligen Drei Könige enden. Christen bereiten sich während dieser heiligen Zeit auf die Geburt Christi vor. Jener wurde, entgegen dem allgemeinen Bild, in einer Grote geboren, um unsere Welt zu verändern. Für sie steht dementsprechend Weihnachten nicht im Vordergrund bzw. in einer anderen Form als bei Nichtchristen. Wer die Gelegenheit hat, sollte in dem Zusammenhang unbedingt eine Weihnachtsmesse besuchen. Ob gläubig oder nicht, in meinen Augen immer einen Ausflug wert.

Ich könnte noch stundenlang über meine persönliche Meinung zum Thema Adventskalender schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen.  Außerdem möchte ich eure Meinung hören und mit euch diskutieren.

Sind euch Adventskalender noch wichtig?
Was haltet ihr von den zahlreichen Möglichkeiten?

Gern könnt ihr mir Fotos von euren Kalendern in die Kommentare posten.

Quellen:
Bild 1-3 – Lisa Erbe
Video – Lisa Erbe
Bild 4 – Pixabay

Leben im Zeichen der Depression

Eine junge Frau, mitten im Leben, mitten in der Ausbildung, von Freunden umgeben – plötzlich ist nichts mehr wie es war. Ein eigentlich ganz normaler Freitag wird zum alles entscheidenden Wendepunkt und Tränen zur Hauptnahrung.

So stand ich vor 10 Jahren da. Vor 10 Jahren änderte sich alles und die Wand bricht endgültig zusammen. Inzwischen sind 10 Jahre vergangen, ich sitze an meinem Schreibtisch und überlege wie ich euch mitteilen kann was ich sagen will. Es fällt mir nicht leicht, da es eine für mich sehr persönliche Zeitspanne betrifft.

Depression – die „Volkskrankheit“ schlechthin. Sie stand über allem und ließ mich zu einem seelischen Frack werden.

Ein kontrolliertes Alltagsleben / Leben allgemein?
Spaß an der Freude?
Eine flüssig laufende Ausbildung?

Nichts mehr davon konnte ich mein eigen nennen. Nichts funktionierte mehr so wie es soll.

Es kam Freitag, jener Freitag, der so viel änderte.
Es kam der große Knall, der alles explodieren ließ.
Der Besuch beim normalen Hausarzt mit Überweisung zur Psychiatrie.
Der Besuch der Psychiatrie mit Einweisungsbestätigung für die nächste Woche.
Der Montag mit Einzug in die Psychiatrie.

Aus heutiger Sicht das Beste, was mir zu diesem Zeitpunkt passieren konnte, damals das Schreckgespenst schlechthin. Ich in einer Psychiatrie? Jener Ort, von dem man bisher nur gehört hatte. Wo man glaubte, nur Verrückte kämen dahin. Jene Einrichtung, von der ich glaubte, nie dort zu landen. Gab es doch keinen Grund auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden.

Doch, nun war ich dort. Zusammen mit anderen kranken Seelen, die alle ihre eigenen Probleme hatten. Eingedeckt mit einem Therapieplan, diversen Gesprächen und Medikamenten. Medikamente, die ich zuvor nicht nehmen musste. Medikamente, die mir helfen sollten nachts schlafen zu können, um tagsüber fit zu sein. Medikamente, die meine Albträume bekämpfen sollten.

Schneller als gedacht, gewöhnte ich mich an mein Leben in der Psychiatrie und die Tatsache dort wieder weg zu müssen machte mir Angst. Hier war ich geschützt. Hier hatte ich Menschen, die mich verstanden. Hier wusste man was mir fehlte und keiner betrachte mich mit dem gewissen Blick. Dem Blick, dass Depression doch harmlos sei. Wie so ziemlich alles was man einem Menschen nicht direkt ansieht.

Nein, ist sie nicht. Depression ist nicht harmlos. Depression ist eine ernst zu nehmende Krankheit und nicht zu unterschätzen. Sicher, man sieht sie den Erkrankten nicht immer an, aber sie ist da. Oftmals schleichend und hinterrücks. Irgendwann ist er dann da, der große Hammer, der dich erkennen lässt, dass etwas falsch läuft. Der Moment, in dem du dich der Welt offenbarst und diesen Blick bekommst.

Ich hatte ein zu Hause gefunden und musste doch lernen mich nicht zu sehr in dieses zu flüchten. Ich musste lernen meine Probleme zu erkennen. Ich musste lernen was mich beschäftigte und wieso die Dinge so liefen wie sie liefen. Ich musste mich dem stellen, egal wie wenig ich es wollte und wie sehr es mir wehtat. Ich bekam eine leise Ahnung davon wie früh sich Depressionen und selbstverletzendes Verhalten in mein Leben schlichen ohne zu merken, dass es genau das war.

Im Rahmen dieses Prozesses stand nicht nur die Diagnose Depression, sondern auch eine instabile Persönlichkeitsstörung. Letztere verstehe ich persönlich bis heute nicht. Weil ich mich nicht so fühlte? Weil ich mit Typus Borderline nichts anfangen konnte? Weil ich es nicht wahrhaben wollte? Vermutlich eine Mischung aus allem.

Irgendwann jedoch kam der Tag der Entlassung und ich wurde in den Alltag geworfen, jedoch nicht in seine klassische Variante. Fast schon nahtlos ging es zur Intensivtherapie in die Tagesklinik. Ganze 3 Monate jeden Tag verschiedene Therapien, Ausflüge, Aufgaben im Team und tief gehende Beschäftigung mit der eigenen Person. Therapie in der Gruppe oder Einzeln, diverse Spielchen und so vieles mehr. Immer mit einer hinterfragenden Stimme, Analyse und Reflexion. Als wäre all das nicht genug, zog meine WG in der Zeit um. Ich wurde mitten in meiner Findungsphase und halber Entwurzelung, endgültig entwurzelt.

Neue Wohnung, neue Umgebung – aber zumindest ein eigenes Zimmer. Eine kleine private Ecke nur für mich. Es war nicht einfach, aber aus heutiger Sicht die beste Entscheidung. Alte Wohnung – altes Leben. Ein Leben, das ich nicht mehr wollte. Leute, die ich nach Möglichkeit nicht mehr sehen wollte.

Die Tagesklinik ermöglichte es mir zu erkennen, wie sehr sich die Vergangenheit in meinen Kopf gefressen hatte und wie sehr sie mich hemmte. Wie sehr sie mich daran hinderte zu verarbeiten. Ich lernte Entspannungstherapien kennen. Erfuhr,  wie ich das Erlebte reflektieren kann, um daraus zu lernen. Ich lernte erste Anzeichen eines Schubes zu erkennen. Ich lernte, was ich dagegen tun kann und was ich tun kann, wenn ich nicht frühzeitig die Bremse zog. Ich lernte, was es heißt Menschen hinter sich zu lassen, ohne sie für immer aus dem Leben zu streichen. Ich lernte,  was für Lehren ich aus der Lebensgeschichte von Mitpatienten für mich ziehen kann.

Doch auch meine Zeit dort ging vorbei und wieder einmal mehr wurde ich in den scheinbar normalen Alltag geworfen. Scheinbar normal? Ja, scheinbar, denn ein Problem hatte sich nicht erledigt: die Ausbildung. Ich war offiziell noch immer in dem Betrieb angestellt. Gedanklich sorgte die Mobberin noch immer für Heulkrämpfe. Noch immer stand ich vor einem Monster. Daran sollte sich erst mal nichts ändern, da sich die Fronten verhärten.

Derweil ging es für mich auf die Suche nach einem passenden Psychiater und einem entsprechenden Psychologen. Jeder, der schon einmal einen Facharzt brauchte, weiß was das bedeutet. Ich gebe offen zu, dass ich nicht bei meinem ersten Psychiater blieb. Gerade bei solchen Ärzten ist es wichtig auf sich selbst zu hören. Ihr spürt, dass ihr mit dem Arzt nicht klarkommt? Ihr fühlt euch nicht wohl? Dann wechselt! Je nachdem an welchem Punkt eures Weges ihr gerade seid, im schlimmsten Fall landet ihr wieder am Anfang.

Abgesehen davon kann nur der Psychiater Medikamente ausstellen. Für den seelischen Part ist der Psychologe zuständig und der gräbt noch mal so richtig schön tief. Er hinterfragt genau die noch offenen Probleme und fordert zum Nachdenken auf. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass deine Meinung sich nicht immer mit dem des Psychologen deckt. Das ist aber kein Grund zu verzweifeln, im Gegenteil. Stelle dich der Ablehnung. Hinterfrage warum es so ist und was du daraus lernen kannst. Erkläre dem Arzt wieso du es anders siehst und was es für dich bedeutet. Ein Psychologe kann dich zwar durchaus durchschauen, aber er ist nicht du.

Allerdings musste ich mich während der Psychotherapie erneut meinen Lebensumständen stellen. Da hatte ich nun ein eigenes Zimmer und doch fühlte es sich nicht richtig an. Die interne Situation kollidierte immer mehr mit der Therapie. Wie sollte ich mich auf sie konzentrieren können, wenn man zwischen zwei Stühlen hängt? Wenn die eigenen Mitbewohner ein Paar sind und du nicht mehr kannst? Es half nur eins: wieder umziehen. Gefühlt kaum, dass die Koffer ausgepackt waren, erneut packen.

Es ging für mich in meine eigene Wohnung, eine Wohnung, die nur mir gehören sollte. Nicht die erste eigene Wohnung, aber dennoch mein erster Ruheort nach all der Zeit. Die Therapie konnte wieder ihre volle Wirkung entfalten. Ich konnte mich um die Beendigung meiner Ausbildung mit allen Konsequenzen kümmern. Ich konnte mich fragen wie es weiter gehen sollte. Wie sollte mein Leben jetzt aussehen?

Für immer Medikamte? Für immer auf Therapie? Für immer gehemmt und trotz des langen Weges nicht ich?

Inzwischen haben wir das Jahr 2018 und 10 Jahre Therapie hinter uns. Was hat sich seit dem getan?

– Die Psychotherapie wurde erfolgreich abgeschlossen und musste nicht verlängert werden.
– Ich wurde im Laufe des Weges auf ein anderes Medikament umgestellt und konnte auch das mit Hilfe des Arztes komplett aus meinem Leben streichen.
– Die Ausbildung wurde gekündigt und das Erlebte verarbeitet.
– Ich habe zwei für mich prägende, zerbrochene Beziehungen verarbeitet.
– Meine Zeit beim Psychiater ist abgeschlossen.
– Ich habe gelernt, dass Depressionen zu mir gehören und weiß  wann sich ein Schub ankündigt / wie ich dem entgehen kann.
– Ich habe ein gesundes Verhältnis zu meiner Seele und meiner Vergangenheit entwickelt.
– Ich weiß welche Themen nicht meins sind und grundlegend auf taube Ohren stoßen.
– Ich habe gelernt Abstand zu halten und im Zweifelsfall die Keule zu schwingen.
– Ich habe mich mit meinen Eltern ausgesprochen. Beide akzeptieren meine Vorliebe für Frauen.
– Ich habe einen neuen Job gefunden und bin damit mehr als glücklich.
– Ich muss mich nicht mehr mit dem Jobcenter beschäftigen.
– Ich bin dabei mir meine eigene Firma aufzubauen und lerne dafür ständig etwas Neues.
– Ich bin viel auf verschiedenen Events unterwegs und verkaufe mein Produkte direkt.
– Ich gebe verschiedene Nähkurse.
– Ich habe tolle Kunden,  die mir ständig neue Ideen liefern.

Ich könnte die Liste endlos fortführen. Ebenso könnte ich meinen Weg bisher noch ausführlicher beschreiben, aber dann wäre es wirklich ein Roman. Nicht, dass Romane etwas Schlechtes wären, aber einfach nein. Vieles bleibt daher ungenannt bzw. gibt nur einen groben Zeitverlauf wieder, aber das ist ok so. Ich sehe keinen Anlass dafür wirklich alles zu erwähnen. Manches bleibt geheim oder aber kann im persönlichen Gespräch erfragt werden.

Wieso ich den Bericht überhaupt verfasst habe, wenn er doch nicht alles sagt?

Um euch zu zeigen, dass es jeder schaffen kann, egal wie weit der Weg ist. Es gibt keinen Grund sich für eine Depression und alles was dazugehört zu schämen. Es ist völlig in Ordnung in die Psychiatrie zu gehen und danach weitere Therapien zu nutzen. Es ist keine Schande Medikamente nehmen zu müssen. Es ist ok, wenn du dir für dich Zeit nimmst und deiner Krankheit den Raum einräumst, den sie in diesem Moment braucht.

Wichtig dabei: Sich daran zu erinnern, wo man zu Beginn des Weges stand, wo man jetzt steht und wo man nie wieder hin möchte. Halte dir immer wieder vor Augen welches ICH zwar ein Teil von dir ist, aber nicht dein Lebensinhalt.

Ich für meinen Teil möchte nicht mehr ins Jahr 2010 zurück.
Ich möchte nicht mehr an der Kante stehen, kurz davor zu springen.
Ich möchte nicht mehr fressen und mich verstecken.

Es war und ist für mich eine Warnung.

Hört auf so eine Warnung und nutzt sie als Neuanfang.

Stellt euch dem Teufel und werdet wieder ihr selbst.

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