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[Interview] 3-Fragen Talk mit Yui Spallek

Beitragsbild zum Interview für Mit Leib und Leiden

Ob Faszination Japan, eigenes Buch vs. Anthologie oder Boys Love als Genre – Yui stellt sich knallharten Fragen. Vor einiger Zeit konnte ich außerdem hinter die Kulissen des Buches blicken.

Du bezeichnest dich selbst als Japanfan. Was genau fasziniert dich an Japan? Inwiefern spielt das Land in deinem Leben eine Rolle?

Eigentlich so gut wie alles. Ich liebe die Kultur, die Religion, die Natur, Japanimation etc. Ich weiß nicht genau, warum ich es liebe, aber es begann wohl mit Anime – damals noch unerkannt im TV – und ging dann weiter über die Sprache und das Land selbst.

Japan hat seit meiner Entdeckung des Landes eine Rolle in meinem Leben gespielt. Eine Zeit lang mehr, dann kurzzeitig etwas weniger und jetzt wieder sehr. Nachdem ich mein Japanologie-Studium abgebrochen hatte und eine Ausbildung begann, rückte Japan mehr in den Hintergrund. Anime/Manga habe ich allerdings nie aufgegeben.

Erst ab ca. 2015 wurde es für mich wieder als Beruf wichtig. Ich bin seitdem als Redakteurin für Japan/Japanimation, als Übersetzerin Jap-Dt und in der Anime-Branche tätig. Sprich, seitdem bin ich Freiberuflerin und verdiene – neben meinem Autorendasein – Geld damit. Und natürlich war ich ein paarmal im Urlaub im Land selbst.

Mit Leib und Leben bzw. Leiden ist dein Debüt als Autorin außerhalb einer Anthologie. Merkst du einen Unterschied und wie geht es dir damit?

Da meine Debüt-Romane vor der Anthologie kamen, merke ich es stark bei der Anthologie. Ich bin es gewohnt, so viel zu schreiben, wie ich möchte bzw. es für nötig halte. Bei der Anthologie hatte ich nur eine begrenzte Seitenzahl und ich habe gemerkt, dass es für mich schwer ist, mich kurzzufassen. Allerdings hat es mir viel beigebracht, was Kurzgeschichten angeht. Da ich sicher noch weitere Kurzgeschichten schreiben werde, ist das eine gute Lernhilfe. Allerdings bevorzuge ich immer noch längere Geschichte, wie eben Romane.

Als glühende Verehrerin von Boys Love und co interessiert mich eines brennend: Wieso dieses Genre? Wie schwierig ist es für dich als Frau glaubwürdig zu schreiben?

Ich bin schon BoysLove-Fan seit es die ersten Manga dazu in Deutschland gibt. Und kurz darauf ging es auch mit den ersten Fanfictions los. Noch heute schreibe ich BL-Fanfictions und dachte irgendwann: Wieso nur FF? Wieso sollte ich nicht meine eigenen Charaktere erfinden und ein Buch dazu schreiben? Also habe ich es versucht und festgestellt, dass es unglaublich viele schwule Romane gibt, allerdings nur wenige BoysLove – also Romane, die in Japan mit Japanern spielen. So sehe ich zumindest den Unterschied zwischen Gay-Roman und BL-Roman.

Wie bei vielem finde ich es nicht wichtig, ob man Mann oder Frau ist, wenn man über das andere Geschlecht schreibt. Da ich schon so lange Boys Love lese und FF schreibe bzw. auch andere (schwulen) Romane lese, fällt es mir nicht schwer mich in einen Mann hineinzuversetzen. Und na ja, die meisten BL-Geschichten/Manga sind ja auch von Frauen für Frauen und nicht unbedingt Schwule. Und die wirken meist auch glaubhaft. Also schwer fällt es mir selbst nicht. Wie die Leser das sehen, weiß ich nicht. Aber ich habe bisher hauptsächlich positives Feedback bekommen.

Eine kleine Anekdote: Mein Vater hat mein erstes Buch gelesen – nein, er steht nicht auf BL und hat es nur für mich getan – und meinte hinterher, er wäre sehr überrascht gewesen, wie gut ich mich mit der männlichen Anatomie und Männern allgemein auskenne. Also muss es wohl überzeugend sein, wie ich schreibe. -lach-

Leider sind wir damit auch schon am Ende angelegt. Mehr über Yui erfahrt ihr über Instagram bzw. ihre Homepage.

[Warum und Wieso] Ein Blick hinter die Kulissen von „Mit Leib und Leben / Leiden“

Autorin: Yui Spallek
Instagram / HP
ISBN Band 1: 978-3-863-61747-9
ISBN Band 2: 978-3-863-61843-8

Was hat dich zu der Geschichte inspiriert?

Eigentlich nur Japan selbst. Ich wollte eine Boyslove-Geschichte schreiben und habe nachgedacht, was ihr Thema sein könnte. Da sind mir die Yakuza eingefallen und das Thema fand ich spannend. Also habe ich begonnen zu recherchieren. Denn wenn ich ein bestimmtes Thema in meiner Geschichte habe, dann will ich das auch möglichst ordentlich umsetzen.

Als ich das erste Buch beendet habe, war bereits klar, dass es eine Fortsetzung geben würde. Ich hatte bereits viel zu viele Ideen gesammelt, um diese nicht zu verwenden. Allerdings fand ich den ersten Band am Ende gut, wie er ist. Er war auch ein bisschen dafür da das Wasser auszutesten, also ob ein Verlag mein Buch nehmen würde oder nicht. Viele haben dann gefragt, ob es eine Trilogie wird, aber das war nie geplant. Ich wollte die Geschichte dann auch nicht unnötig in die Länge ziehen. Das Zusatzkapitel für Weihnachten, dass dann in der Anthologie erschien, gefällt mir aber sehr gut, so als Ergänzung.

Oft wird mein Buch aufgrund der entstehenden Beziehung der beiden Hauptcharaktere „nur“ als „Liebesroman“ eingestuft, was ich sehr schade finde. Ich habe mir viel Mühe gegeben, die Geschichte und Konflikte abseits der Romanze zu kreieren und freue mich daher immer, wenn auch jemand den Action-Teil erwähnt oder etwas damit anfangen kann, wie Shun versucht die Welt der Yakuza zu verändern.

Beitragsbild zum Motivationsbeitrag für Mit Leib und Leiden

Was hat dich motiviert sie zu schreiben?

Meine Motivation war endlich ein Buch zu veröffentlich. Ich hatte sehr früh angefangen Geschichten zu schreiben und sie auch immer wieder bei Verlagen eingereicht, aber mittlerweile weiß ich, dass es damals noch zu früh war. Dieses Mal habe ich es anders gesehen. Ich habe mich eher bereit gefühlt. Abgesehen davon mag ich es Charaktere und ihre Geschichte zu entwickeln und als ich erst mal damit angefangen hatte, da wollte ich sie auch beenden.

Danach ist meine Motivation, dass viele Menschen Freude an meiner Geschichte haben und ich freue mich immer sehr, wenn möglichst viele Leser mein Buch lesen. Nicht, weil ich damit Geld verdiene – das Bisschen ist keine Motivation – sondern weil ich auch selbst gerne lese und weiß, wie schön es ist, in ein Buch oder eine BL-Geschichte abtauchen zu können.

Beitragsbild zum Motivationsbeitrag für Mit Leib und Leiden

Auf was möchtest du damit aufmerksam machen?

Man sagt, dass jedes Buch eine Aussage hat. Meins war nicht unbedingt darauf ausgelegt, aber manchmal habe ich Gedanken in meine Geschichte gepackt, die mich selbst beschäftigen. Das kommt oft in Fragen, die sich die Protagonisten stellen zum Vorschein. Ich frage mich manchmal dasselbe und beim Schreiben finde ich dann manchmal eine Antwort darauf. Allerdings nicht immer oder nur in gewisser Weise. Es wäre schön, wenn es meinen Lesern auch so ginge, also dass sie sich über ein paar Dinge klar werden.

Ansonsten finde ich, kann es nicht genug queere Romane geben und ich finde es eigentlich schade, dass es für dieses Genre von Büchern eigene Verlage geben muss. Nur selten bringen Verlage, die auf Hetero-Geschichten fixiert sind, auch Bücher mit queeren Charakteren heraus. Wieso? Es ist eine Geschichte, wie jede andere, nur eben mit zwei Männern oder Frauen etc. in der Romanze. Darauf kann man hinweisen.

Aber leider schaffen es solche Bücher nur selten in die Regale der Buchläden. Klar kann man sie bestellen, aber das Buch in einem Laden zu sehen, ist schon toll. Aber so weit ist die Gesellschaft wohl noch nicht. Vielleicht klappt es ja aber mal über die BL-Schiene. Immerhin stehen BL-Manga und Light Novels auch für jedermann zugänglich in den Regalen.

Beitragsbild zum Motivationsbeitrag für Mit Leib und Leiden